DIE LINKE nach Lafontaine
[Druckversion] Thema: Solidarität 86, "DIE LINKE.", veröffentlicht: 29.01.2010
Rechtsverschiebung droht und muss verhindert werden
Oskar Lafontaine legt aus gesundheitlichen Gründen den Parteivorsitz und
sein Bundestagsmandat nieder. Das wird die weitere Entwicklung der
Partei DIE LINKE nachhaltig beeinflussen. Die bürgerlichen Medien
prophezeien die weitere Anpassung der Partei an SPD und Grüne. Die vom
geschäftsführenden Vorstand ausgewählten KandidatInnen für die neue
Doppelspitze, Gesine Lötzsch und Klaus Ernst, werden das jedenfalls
nicht verhindern.
von Sascha Stanicic, Berlin
Die Personaldebatten, die nach der Bekanntgabe von Lafontaines
Krebserkrankung ausbrachen, haben der LINKEN geschadet. Sie machten den
Eindruck, dass es in ihr, wie in jeder anderen Partei, nur um Macht und
Posten geht, die Basis aber kaum Einfluss nehmen kann und die Inhalte
zweitrangig sind.
Parteiinterner Streit = Richtungsstreit?
In verschiedenen bürgerlichen Medien wurde der parteiinterne Streit als
politischer Richtungsstreit zwischen dem moderaten und auf
Regierungskoalitionen mit der SPD setzenden Ost-Flügel der Partei und
den angeblich Fundamentalopposition betreibenden West-Landesverbänden um
Lafontaine dargestellt. Richtig ist, dass sich politische Differenzen in
der Personaldebatte widerspiegeln und dass diese, aufgrund der
unterschiedlichen Stärke der Quellorganisationen PDS und WASG in Ost und
West, sich auch regional ausdrücken. Leider gibt es aber zwischen
Dietmar Bartsch und Oskar Lafontaine keine prinzipiellen politischen
Unterschiede.
Beide treten grundsätzlich für eine Politik ein, die durch
Regierungskoalitionen mit SPD und Grünen versucht, eine größere
staatliche Einflussnahme auf „die Wirtschaft“ durchzusetzen und
Sozialabbau zu begrenzen – eine Politik des „kleineren Übels“. Das gilt
auch für Lötzsch und Ernst.
Trotzdem wurde Lafontaine als linker und radikaler angesehen. Denn er
hat immerhin den Koalitionsvertrag von SPD und LINKEN in Brandenburg,
der massiven Stellenabbau im Öffentlichen Dienst vorsieht, abgelehnt,
immer wieder einen antikapitalistischen Ton in seinen Reden angeschlagen
und die Notwendigkeit eines Generalstreiks zur Durchsetzung von
Arbeiterinteressen betont.
Moderate Kräfte werden gestärkt
Lafontaines Rückzug vom Amt des Parteivorsitzes wird deshalb die
moderaten Kräfte in der Partei, die auf Regierungskoalitionen mit
Rot-Grün setzen, stärken. Das gilt, auch wenn der vorgelegte
Personalvorschlag für den zukünftigen geschäftsführenden Vorstand die
verschiedenen Parteiflügel berücksichtigt. Denn erstens wird die Führung
der Bundestagsfraktion angesichts einer schwachen Parteispitze eine
weitaus größere Rolle spielen. Gregor Gysi hat schon in den letzten
Wochen in der Manier eines Napoleon Bonaparte das Ruder in der Partei an
sich gerissen. Zweitens werden Ernst und Lötzsch einer weiteren Öffnung
zu SPD und Grünen kaum etwas entgegen setzen. Gesine Lötzsch galt zwar
als links in der alten PDS, stand aber nie in offener Opposition zur
Politik der Regierungsbeteiligung im Berliner Senat und der dort
umgesetzten Kürzungspolitik. Klaus Ernst gehörte schon in der WASG zum
rechten Flügel und ist dort durch offen anti-sozialistische Positionen
und einen bürokratischen Führungsstil aufgefallen. Kein Zufall, dass er
den Einspruch gegen die Mitgliedschaft von Lucy Redler und anderen
SAV-Mitgliedern in der Linkspartei eingelegt hatte.
Die Gefahr, dass DIE LINKE die historische Chance, eine politische
Interessenvertretung der arbeitenden Bevölkerung aufzubauen, nicht
nutzt, wächst. Es wird dringender, dass sich die antikapitalistischen
und sozialistischen Kräfte, die auf außerparlamentarischen Widerstand,
Demokratisierung des Parteilebens und Ablehnung von
Regierungsbeteiligungen mit Sozialabbau-Parteien setzen,
zusammenschließen und koordinieren.
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