Betriebsbesetzung bei Prisme in Dundee geht weiter
[Druckversion] Thema: Europa, Arbeitskämpfe, veröffentlicht: 06.04.2009
ArbeiterInnen geben nicht auf
Die Besetzung des Verpackungsunternehmens Prisme in Dundee geht in die
dritte Woche und wird immer noch mit ganzer Kraft durchgeführt. 12
ArbeiterInnen, von denen einige 15 Jahre lang bei Prisme gearbeitet
haben, sind am Mittwoch, dem 4. März, ohne Einhaltung der
Kündigungsfrist entlassen worden.
von Philip Stott, International Socialists (Schwesterorganisation von
SAV in Schottland), 27.3.2009
Obwohl ihnen noch Abfindungen, aufgelaufenes Urlaubsgeld und ausstehende
Löhne zustanden wurde ihnen mitgeteilt, dass es keinen Cent geben wird,
weil die Firma keine Vermögenswerte mehr besitze. Daraufhin fällten die
ArbeiterInnen die mutige Entscheidung, die Fabrik zu besetzen und sind
seitdem ständig vor Ort.
„Wir sind überwältigt von der Unterstützung, die uns entgegengebracht
wird“, kommentierte David Taylor. Aus ganz Schottland und darüber hinaus
treffen Solidaritätserklärungen und Spenden ein. David sprach bei der
Jahreshauptversammlung von UNISON (größte brit. Gewerkschaft des
öffentl. Dienstes; Anm. d. Übers.) in Dundee, wo 150 britische Pfund
(entspricht rund 165 Euro; Anm. d. Übers.) gesammelt wurden. Weitere 100
Pfund (110 Euro) kamen aus Sammelaktionen einzelner
Gewerkschaftsgliederungen zusammen. Die UCU (Gewerkschaft der
Bediensteten an Unis und Hochschulen; Anm. d. Übers.) in Dundee gab 200
Pfund (220 Euro) und über 200 Pfund wurden vergangenes Wochenende beim
Fußballspiel Dundee United gegen Celtic Dundee gesammelt.
David und Matthew fuhren auch nach Glasgow, um neben dem landesweit
bekannten Sozialisten Tommy Sheridan und weiteren im Kampf befindlichen
ArbeiterInnen an einem öffentlichen Treffen des Wahlbündnisses
SOLIDARITY teilzunehmen und dort zu sprechen.
Ein arbeitsloser Chefkoch, der auch auf diesem Treffen war, überreichte
Curry-Gerichte, Suppen und Eintöpfe für die Besetzungsaktion, was bei
den ArbeiterInnen Riesenanklang fand.
Arbeiterkontrolle ist einzige Lösung
Die ArbeiterInnen sind dazu übergegangen, in Schichten auf dem
Fabrikgelände zu schlafen, um sicherzustellen, dass die Besetzung 24
Stunden an sieben Tagen in der Woche gewährleistet ist. Maureen, die 14
Jahre lang für Prisme gearbeitet hat, sagte: „Wir dachten, dass wir nur
eine Nacht lang dort bleiben würden. Aber jetzt wollen wir nicht mehr
gehen.“
Während sie mit der Besetzung fortfahren und für die volle Auszahlung
der ihnen zustehenden Gelder kämpfen, haben die ArbeiterInnen als
Versuch, die Produktion aufrecht zu erhalten, jetzt beschlossen, zu
versuchen eine Arbeiter-Kooperative aufzubauen und damit die Jobs der
Belegschaft zu retten, die dort weiterhin arbeiten will.
David Taylor sagte uns: „Wir denken, dass es machbar ist, die Produktion
aufrechtzuerhalten. Wir haben eine 90 Jahre lange Erfahrung und wissen,
wie es geht. Es nicht zu versuchen, wäre eine Schande. Wir wollen nicht
irgendwann zurückblicken müssen, um dann zu bereuen, die Chance nicht
genutzt zu haben. Wir wollen zeigen, dass ArbeiterInnen, normale
Menschen, die Fähigkeit besitzen, ihre Zukunft in die eigenen Hände zu
nehmen.“
Tommy Sheridan sagte: „Bei dem, was sie getan haben, haben sie enorme
Tapferkeit bewiesen. Sie haben die Missachtung, die ihnen zuteil wurde,
in etwas Positives gewendet. Ihre Initiative zeigt, wie es weiter gehen
und eine Kooperative ins Leben gerufen werden kann. Vielleicht haben sie
es selbst noch gar nicht realisiert, aber sie haben einen Markstein für
Sozialismus und Arbeiterkontrolle gesetzt.“
Solidaritätsmails bitte an: prismeworkerssolidarity@googlemail.com
Man kann dem „TUC Lobby Fund“ Spenden zukommen lassen.
Solidaritätserklärungen sind bitte zu richten an: Prisme Workers
Solidarity, c/o Mike Arnott, Dundee TUC, 141 Yarrow Terrace,
Menzieshill, Dundee, DD2 4DY.
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