„Wir zahlen nicht für Eure Krise“
[Druckversion] Thema: Solidarität - Sozialistische Zeitung · Nr. 76, Deutschland: Politik allgemein, Demo 28.3.09: "Wir zahlen nicht für Eure Krise", veröffentlicht: 13.02.2009
Demonstrationen am 28. März als Startschuss für breiten Widerstand
Das neue Jahr hatte gerade begonnen, als etwa einhundert Aktive aus
Betrieben, Gewerkschaften, Linkspartei, Erwerbsloseninitiativen,
Migrantenverbänden und Schüler- und Studentenstrukturen zusammenkamen.
Am 6. Januar wurde so der Startschuss für überregionale Demonstrationen
am 28. März in Frankfurt am Main und in Berlin unter dem Motto „Wir
zahlen nicht für Eure Krise“ gegeben.
von Angelika Teweleit, Berlin
Bernd Riexinger, ver.di-Geschäftsführer im Bezirk Stuttgart und Mitglied
des Landesvorstands der LINKEN Baden-Württemberg, sagte, es sei nötig,
ein Signal für gemeinsamen Widerstand zu setzen – und zwar so bald wie
möglich.
Rolle des DGB
Die Gewerkschaftsspitze im Bund ignoriert dieses Projekt. Trotzdem sieht
sich der DGB inzwischen gezwungen, zu einer Demonstration im Mai in
Berlin aufzurufen, im Anschluss an einen „Kapitalismus-Kongress“.
DGB-Chef Michael Sommer fordert eine „Marktwirtschaft für Menschen“. Die
Beschränkung der DGB-Forderungen auf „mehr Mitbestimmung“ und eine
„Regulierung der Finanzmärkte“ bietet keine Perspektive im Kampf gegen
die weitere Umverteilung nach oben und für den Erhalt aller
Arbeitsplätze.
Würden die Gewerkschaften offensiv Forderungen wie „Abschaffung von
Hartz IV“, „Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und
Personalausgleich“ und „Verstaatlichung aller Banken“ aufstellen, so
könnten sie damit massenhaft mobilisieren.
Verstaatlichung der Konzerne
Es besteht die Gefahr, dass die Kurzarbeit bei Daimler oder Opel eine
Vorstufe zu Entlassungen ist. Bei vielen Autozulieferern oder beim
Chiphersteller Qimonda stehen schon jetzt Tausende vor dem Aus. Damit
wird immer deutlicher, dass neben der Forderung nach Verstaatlichung der
Banken, wofür jetzt auch DIE LINKE eintritt, ebenfalls die Forderung
nach der Enteignung von Betrieben, die Stellen streichen, aufgestellt
werden muss. Konzerne wie Opel müssen enteignet und unter demokratischer
Arbeiterkontrolle und -verwaltung weitergeführt werden (siehe auch Seite
8).
Gerade dafür brauchen wir auch die Partei DIE LINKE, dass sie jetzt
systemüberwindende Forderungen in die Bewegung hinein trägt.
Eintägiger Generalstreik
Die einzelnen Belegschaften dürfen nicht isoliert bleiben. Es gilt hier,
für einen Schulterschluss zu sorgen. Zudem muss eine Strategie
entwickelt werden, wie der Kampf für Arbeitsplätze mit dem Kampf von
SchülerInnen gegen die Bildungsmisere und mit dem Kampf aller anderen
von der Krise Betroffenen zusammengeführt werden kann. Vom gemeinsamen
Demonstrieren am 28. März muss der Schritt hin zum gemeinsamen
Demonstrieren und Streiken gemacht werden. Daher sollte neben der Idee
eines Bildungsstreiks im Mai (wozu es erste Vorbereitungstreffen gibt)
auch die Forderung eines eintägigen Generalstreiks in die Diskussion
gebracht werden.
Es geht jetzt darum, in Betrieben, Schulen, Unis für die Demonstrationen
am 28. März zu werben. In Gewerkschaften und in der LINKEN sollten
Anträge eingebracht werden, dass zu den Demos aufgerufen beziehungsweise
mobilisiert wird und Flugblätter, Plakate sowie Busse bereitgestellt
werden. Die Kampagne muss genutzt werden, um (wie in Hamburg) auf
örtlicher Ebene – durch regionale Proteste und Widerstandskonferenzen –
Aktivist-Innen aus den verschiedenen Bereichen zusammenzubringen und
neue Leute in Aktivitäten einzubeziehen.
|