100.000 SchülerInnen bundesweit im Streik – ein voller Erfolg!
[Druckversion] Thema: Bildung, veröffentlicht: 14.11.2008
Etwa 100.000 SchülerInnen waren gestern bundesweit im Streik und zogen
durch die Straßen, um ihren Forderungen Gehör zu verschaffen. Überall in
Deutschland berichtete auch die Presse über die Forderungen: kleinere
Klassen von 20 SchülerInnen, dafür 100.000 LehrerInnen mehr bundesweit,
kostenlose Bildung für alle, Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems
und ein Ende der sozialen Auslese im Bildungssystem.
In etwa 40 Orten wurde gestreikt, darunter auch viele kleinere Orte, in
denen fast die gesamte Schülerschaft in den Ausstand trat. Besonders wo
sich unabhängige Schüleraktionskomitees gegründet haben, war der Streik
erfolgreich. In Berlin waren von diesen Schulen die größten Gruppen
gekommen, mit selbst gemalten Transparenten und Handschildern. An vielen
Schulen waren schon seit einigen Wochen solche Aktionskomitees aktiv,
hatten mit Flyern und Transparenten in der Schule auf den Streik
aufmerksam gemacht. In Hamburg kamen 8000 zur Streikdemo – hier hatten
die letzten stadtweiten Treffen bis zu 60 TeilnehmerInnen und bei
Straßenaktionen beteiligten sich ebenfalls viele.
Die Anzahl der Streikenden ist besonders deshalb bemerkenswert, weil in
den meisten Orten und Schulen verschiedenste repressive Maßnahmen
angewandt wurden, um die SchülerInnen vom Streiken abzuhalten. Über die
Presse wurde durch offizielle Stellen vieler Landesregierungen
verbreitet, ein SchülerInnenstreik sei verboten und es müsse mit Tadeln
und Verweisen gerechnet werden. An einigen Schulen wurde von
einschüchternden Briefen an die Eltern berichtet. In Rostock und Kassel
wurde berichtet, dass SchülerInnen in den Schulen eingeschlossen wurden.
In Rostock gelang es, mithilfe der Demo eine dieser Schulen zu
„befreien“. Die Größe der Demo dort lag mit 5000 über allen Erwartungen.
In München hatte es einen Drohbrief des Kultusministeriums am Tag davor
gegeben. Zudem waren viele Klausuren auf den Streiktag gelegt worden.
Die Organisatoren hatten deshalb mit nur 1000 TeilnehmerInnen gerechnet.
Obwohl es zudem auch noch in Strömen regnete, kamen 4000!
Vielerorts hatte sich die LehrerInnengewerkschaft GEW mit den
Streikenden solidarisch erklärt. Leider gelang es in Berlin nicht, die
Demo der Schülerlnnen wie vom Schülerbündnis mehrheitlich beschlossen,
mit der Demo der Streikenden im Öffentlichen Dienst, unter ihnen auch
angestellte LehrerInnen, zusammenzubringen. Ein Zusammenführen von
Protesten muss für die Zukunft dringend angegangen werden. In Berlin
hätte ein Zusammengehen mit der Demonstration der LehrerInnen ein Gefühl
der Stärke und Solidarität vermittelt und wäre auch in der
Öffentlichkeit mit viel Sympathie aufgenommen worden. Leider hatten sich
besonders AktivistInnen der Antifa, die auch in kleiner Zahl auf der
Demonstration vertreten waren, massiv gegen ein Zusammengehen mit den
Gewerkschaften gewehrt. Es ist auch sehr schade, dass die an sich gut
gemeinte spontane Besetzungsaktion in einem Gebäude der Humboldt-Uni
durch das Verhalten einzelner chaotisch verlief. Die Aktionen einzelner
Demo-TeilnehmerInnen, die Ausstellung zur Reichsprogrom-Nacht zu
zerstören, hat den Zielen der Demo geschadet. Viele SchülerInnen
versuchten die Zerstörung zu verhindern oder waren zurecht wütend
darüber. Leider wurde in der Berliner Presse dieser Zwischenfall
genutzt, um die gesamte Demonstration zu diskreditieren, anstatt über
die Forderungen der SchülerInnen zu berichten und auch gegenüber
anwesenden Studierenden und Uni-Beschäftigten wurde leider ein
schlechter Eindruck hinterlassen.
Insgesamt war der bundesweite Streik ein riesiger Fortschritt – noch nie
hat es einen gemeinsamen Streiktag von SchülerInnen in 40 Orten
gleichzeitig gegeben! Auch die Tatsache, dass dies vor dem Hintergrund
der schwersten drohenden Wirtschaftskrise seit den 30iger Jahren
stattfand, ist von Bedeutung. Viele Parolen, richteten sich, dass die
Regierung innerhalb weniger Tage 500 Milliarden für die maroden Banken
bereitgestellt hat, aber für das marode Bildungssystem nichts
dergleichen unternommen wird. Viele Streikende haben deshalb auch die
Schlussfolgerung gezogen, dass dieses System im Interesse der Reichen
und Konzerne ist. RednerInnen der SAV wiesen daher auf die Notwendigkeit
hin, den Kampf für bessere Bildung mit dem Kampf für eine grundlegende
Veränderung der Gesellschaft und für Sozialismus zu verbinden.
Dafür ist es notwendig, sich auch jetzt politisch zu organisieren. Die
SAV lädt alle Interessierten dazu ein, sich uns in diesem Kampf
anzuschließen und bietet in den verschiedenen Orten Veranstaltungen an.
Besonders die jetzt stattfindenden regionalen Sozialismustage sind eine
gute Gelegenheit, die Ideen und Arbeit der SAV kennenzulernen.
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