Notstand in Krankenhäusern beseitigen!
[Druckversion] Thema: Solidarität - Sozialistische Zeitung, Nr. 72, September 08, Krankenhäuser für alle statt Profitmedizin für wenige, veröffentlicht: 29.08.2008
Kampagnenvorschläge des Netzwerks für eine kämpferische und
demokratische ver.di
Eine ver.di-Kampagne zur besseren Finanzierung der Krankenhäuser ist
dringend notwendig. Erkämpfte Lohnerhöhungen müssen refinanziert,
Investitionen getätigt, der Personalnotstand beseitigt werden.
von Dorit Wallenburger, ver.di-Betriebsgruppe Krankenhaus Dresden
Neustadt*
ver.di ruft gemeinsam mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft, der
Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeber, dem Deutschen Städtetag und
anderen zur Demonstration am 25. September in Berlin auf. Diese
Demonstration ist als Höhepunkt der ver.di-Kampagne „Der Deckel muss
weg“ geplant. Doch mit der Demo allein wird es keine substanziellen
Verbesserungen geben. In Wirklichkeit kann sie allenfalls als Auftakt
dienen, wenn die ver.di-Führung ernsthaft etwas erreichen will.
Durch die Beteiligung der Organisationen aus dem Arbeitgeberlager an der
Demonstration wird der Eindruck erweckt, als ob Beschäftigte und
Arbeitgeber identische Interessen hätten. Dabei ist voraussehbar, dass
die Arbeitgeber Zuschüsse vor allem zur Steigerung der Profitabilität
nutzen.
Tarifvertrag Personalbemessung
Beim Kampf um eine bessere Krankenhausfinanzierung muss es darum gehen
sicherzustellen, dass das Geld wirklich da ankommt, wo es gebraucht wird
– im Sinne von Beschäftigten wie PatientInnen. Aus diesem Grund schlägt
das Netzwerk für eine kämpferische und demokratische ver.di vor, dass
ver.di einen Tarifvertrag zur Personalbemessung einfordern und darum
einen Arbeitskampf führen sollte. Damit könnte ein verbindlicher
Schlüssel für die Personalbemessung erzwungen werden. Denn es gibt zwar
eine Pflegepersonalregelung (PPR) von 1992. Doch diese wurde einfach
umgangen. Seit 1996 wurden 50.000 Stellen in der Pflege, insgesamt mehr
als 100.000 Stellen in den Krankenhäusern, abgebaut. Darum ist der Kampf
für die sofortige Neueinstellung von 100.000 Beschäftigten als erster
Schritt zentral.
Mit der Forderung nach einem Tarifvertrag zur Personalbemessung für alle
Beschäftigten in den Krankenhäusern käme ver.di aus der Friedenspflicht
und hätte das Recht, zum Streik aufzurufen. So müsste nicht mehr
hingenommen werden, wenn, wie in Dresden, aus Personalmangel bereits
Stationen geschlossen werden!
Höhere Löhne und mehr Geld für Kliniken!
Verbunden mit dem Arbeitskampf könnte eine breite
Öffentlichkeitskampagne, wie Flugblattaktionen und
Informationsveranstaltungen, großen Erfolg haben. Um eine Kampagne für
einen Tarifvertrag Personalbemessung umzusetzen, könnte die von ver.di
geplante Konferenz am 27./28. November in Magdeburg dienen. Diese
Konferenz sollte daher auch wirklich die Beteiligung nicht nur aller
Betriebs- und Personalräte, sondern auch aller Vertrauensleute,
JugendvertreterInnen und aller Beschäftigten, die sich für eine solche
Kampagne engagieren möchten, sicherstellen.
Die Kliniken brauchen nicht nur mehr Personal, das Personal braucht auch
mehr Geld. Deshalb darf es bei der neuen Entgeltordnung keine weitere
Absenkung des Lohnniveaus geben. Vielmehr muss für eine Anhebung und
Korrekturen am TVÖD gestritten werden. Zudem müssen wir darauf pochen,
dass der Investitionsstau von 50 Milliarden Euro endlich behoben wird!
Damit eine ver.di-Kampagne mit solchen Forderungen Wirklichkeit wird,
müssen wir selbst aktiv werden. Nehmt Kontakt mit dem Netzwerk für eine
kämpferische und demokratische ver.di auf, kommt zum Treffen des
Netzwerks am 1. November in Kassel, um zu besprechen, welche Initiativen
wir gemeinsam von der Basis und in unseren Krankenhäusern ergreifen
können. Um uns selber müssen wir uns selber kümmern!
* Angabe dient nur zur Kenntlichmachung der Person
Krankenhaus-Zeitung zur Vernetzung von Widerstand gegen
Privatisierung, Stellenabbau, Lohnklau und Konkurrenzkampf – unterstützt
vom Netzwerk für eine kämpferische und demokratische ver.di: www.netzwerk-verdi.de
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