Südafrika: Pogrome decken barbarische Kehrseite des Kapitalismus auf
[Druckversion] Thema: Afrika, veröffentlicht: 13.06.2008
Ausländerfeindliche Übergriffe – eine Warnung für die Arbeiterklasse
Anmerkung der Redaktion: Auch wenn die Übergriffe gegen
EinwanderInnen in Südafrika wieder zurück gegangen und aus den
Massenmedien verschwuden sind, veröffentlichen wir hier die Übersetzung
eines Artikels eines südafrikanischen Marxisten, der zum Zeitpunkt der
Pogrome Ende Mai verfasst wurde.
von Weizmann Hamilton, Democratic Socialist Movement
(Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Südafrika), 22.
Mai 2008
Die Welle menschenverachtender Pogrome, die in den letzten zehn Tagen
über die Elendsquartiere in direkter Nachbarschaft zu den
Arbeitervierteln in der Provinz Gauteng, Südafrika, hereingebrochen ist,
hat, soweit überschaubar, mehr als 30 Menschenleben gekostet und über
10.000 Menschen obdachlos werden lassen. Sie suchen unter unmenschlichen
Umständen Unterschlupf in Polizeistationen, Kirchen und Häusern von mit
ihnen sympathisierenden Menschen in den Vororten. Simbabwer haben Busse
organisiert, um die Leute von dieser Hölle in jene zurückzubringen, aus
der sie einst gekommen sind: Eine schier ausweglose Situation zwischen
dem Todeskampf im wirtschaftlichen Niedergang und der Gewalt eines
Mugabe-Regimes, das entschlossen ist, sich an die Macht zu klammern.
Sonderzüge fahren, um MigrantInnen zurück nach Simbabwe und Mosambik zu
bringen.
Die Täter haben sich schwarz-afrikanische ImmigrantInnen, Simbabwer,
Mosambikaner, Somalier, Malawier, Sambier und Nigerianer ausgesucht. Sie
greifen ihre Opfer in einem barbarischen Flut aus Wut und Hass mit
Pangas (Macheten), Messern, Hämmern und Schusswaffen an. Beim
schrecklichsten aller bisherigen Vorfälle wurde ein Malawier das Opfer
der gefürchteten Halsband-Methode. Dabei werden Menschen bei lebendigem
Leibe verbrannt. - Eine Reminiszenz an die Exzesse des Anti-Apartheid
Kampfes, als der Kollaboration mit dem weißen Minderheiten-Regime
Beschuldigte so gerichtet wurden. In über einem Dutzend Townships und
Elendsvierteln wurden Häuser und „spaza“-Shops (Einrichtungen in
schlecht gebauten Hütten, um mit informellen Geschäften das Überleben zu
sichern) zerstört. Als arme Afrikaner sich gegen arme Afrikaner
gerichtet haben, verloren ImmigrantInnen ihre Unterkünfte, ihre
persönliche Habe und die kleinen Ersparnisse, die sie bei Seite zu legen
in der Lage waren.
Die Mehrheit der schwarzen Arbeiterklasse teilt nicht die
fremdenfeindliche Haltung, die diese Welle der Reaktion angeheizt hat.
Selbst die Minderheit, die darüber verärgert ist, dass es besser
ausgebildete Konkurrenten am unteren Ende des Arbeitsmarktes gibt, würde
nicht auf Grundlage dieser Missgunst handeln. In Wirklichkeit herrscht
ein unendliches Horrorgefühl und Abscheu innerhalb der Arbeiterklasse
und der Mittelschicht gegenüber den schrecklichen Ereignissen. Die
Wahrheit ist bis dato aber auch, dass kein organisierter Widerstand,
keine Gegendemonstration und keine organisierte Verteidigung der
Immigranten stattgefunden hat.
Tempo der Gewalt
Das hängt teilweise auch mit dem Schock darüber zusammen, mit welcher
Plötzlichkeit die Gewalt ausgebrochen ist, in welcher Geschwindigkeit
sie sich ausgebreitet hat und mit den zunehmenden Anzeichen für einen
gewissen Grad an Organisiertheit, mit der die Reaktion Kreise zieht. Es
muss aber auch eingeräumt werden, dass unter den unterdrückten,
verzweifelten und entfremdeten Schichten der Arbeiterklasse eine
brodelnde Unzufriedenheit herrscht, die sich in Menschenfeindlichkeit
ausdrückt. Dieses Gefühl, das aus der Armut, dem Elend und der
Erniedrigung resultiert, hat die explosiven Zutaten bereitet, die die
Townships mit fremdenfeindlichem Hass entzündet haben. Zur Explosion kam
es durch bewusst handelnde politische Opportunisten. Diese nutzten
entschlossen und rücksichtslos die Möglichkeiten, um sich selbst als
Warlords zu etablieren. Selbst politische Parteien, die von
Amtsübernahmen profitieren wollen und auch kriminelle Elemenete agierten
in dieser Art und Weise – mit Plünderung, Vergewaltigung und Diebstahl.
Doch die Grundlage für all dies liefert eine beinahe völlige
Demobilisierung der Arbeiterklasse außerhalb des Arbeitsplatzes - vor
allem in den Townships -, das allgemein sinkende Bewusstsein, der
scharfe ideologische Rechtsruck des ANC und die moralische und
politische Degeneration der politischen und wirtschaftlichen Eliten. Die
Kampforgane, bekannt als “Locals”, zu denen auch die
Township-Verwaltungen und die Jugendorganisationen gehören, welche von
der COSATU (Congress of South African Trade Unions; Dachverband der
südafrikan. Gewerkschaften; Anm. d. Übers.) im Kampf gegen das
Apartheidregime und die Bosse der 1980er Jahre gegründet wurden, sind
seit langem verkümmert. Viele ehemalige AktivistInnen sind aufgesogen
worden in Regierungspositionen, auf halbstaatlichen Posten (z.B. in
halb- oder komplett staatlichen Firmen) und von der Kommerzwelt.
Innerhalb der ANC-Strukturen sind echte Arbeiterklasse-AktivistInnen von
Karrieristen, Opportunisten und Lückenfüllern aus den Funktionen
gedrängt worden. Konflikte in den ANC-Strukturen, in Stadtverbänden,
Bezirken und der Jugendorganisation machen sich in letzter Zeit an
Störaktionen bei Zusammenkünften fest, die von Fraktionen durchgeführt
werden. Beim Kongress der ANC-Jugend vergangenen Monat in der North West
Province wurden unrinbefüllte Flaschen geschleudert und den Vorsitzenden
auf dem Podium nackte Hintern gezeigt. In Limpopo (nord-östlichstes
Bundesland Südafrikas mit über 5 Mio. Einwohnern; Anm. d. Übers.) kam es
beim Begräbnis eines korrupten ANC-Führers zu Handgreiflichkeiten. Es
gab sogar einen Mordfall aufgrund des Wettstreits um einen
Regierungsposten in einem Township.
Die Regierung reagierte darauf mit einem Meisterstück an Unfähigkeit,
Verwirrtheit und Ignoranz bezüglich dem, was diesen Ereignissen zugrunde
lag. Die Justizministerin, Nosiviwe Mapisa-Nqacula (Ehefrau des
ehemaligen Vorsitzenden der südafrikanischen Kommunistischen Partei und
amtierenden Sicherheitsministers Charles Nqacula) reagierte zuerst
damit, ImmigrantInnen bei der Rückkehr in ihre Heimatländer zu
unterstützen. Innerhalb weniger Tage versprach sie dann allen
ImmigrantInnen, in Alexandra bleiben zu können und dass sie vor Ablauf
einer Woche wieder in ihre Häuser zurückkehren könnten. Dabei gelobte
sie, allen - ob mit oder ohne legalen Status - humanitäre Hilfe zukommen
zu lassen.
Das Innenministerium, das gemeinhin als unfähigstes
Regierungsministerium angesehen wird, spielte neben der Polizei eine
wichtige Rolle dabei, eine Atmosphäre der Abneigung gegen ImmigrantInnen
zu schaffen. Eine Regierung, die das Ziel ausgegeben hat, den Kontinent
unter der Führung des Philosophen-Präsidenten Mbeki in eine sogenannte
“Renaissance” und ein “Afrikanisches Jahrhundert” zu leiten, hat an den
Gesetzesbüchern zur “Kontrollierung von Fremden” von 1991 festgehalten.
“The Post” (Tageszeitung in Sambia; Anm. d. Übers.) nannte dies in ihrer
Ausgabe vom 21 Mai 2008 “ein archaisches Überbleibsel der
Apartheid-Gesetzgebung, das mit internationalen Menschenrechten und der
südafrikanischen Verfassung nicht in Einklang steht”.
Offizielle Gleichgültigkeit und Dementis
Die Botschaft an ImmigrantInnen, nicht willkommen zu sein, ist fest
verwurzelt. Dies spiegelt sich im Desinteresse und der Verweigerung der
Amts- und Würdenträger wider, die die systematischen Übergriffe gegen
ImmigrantInnen in der Provinz Western Cape (mit der Landeshauptstadt
Kapstadt; Anm. d. Übers.) im vergangenen Jahr und in Townships von
Pretoria zu Beginn diesen Jahres leugneten. Offen zu Tage tritt dies,
wenn Feindseligkeit gegen politische Asylbewerber, vor allem aus
Simbabwe, formuliert wird. Wenn die künstliche Unterscheidung zwischen
politischen Flüchtlingen und sogenannten Wirtschaftsflüchtlingen
vorgenommen wird, übermäßig lange Antragsverfahren die Regel sind und
ein Gesetz auf den Weg gebracht wird, das es der Polizei ermöglicht,
jede Person ausfindig und dingfest machen zu können, um sie als
Immigranten aktenkundig zu machen.
Besagtes Gesetz, das im Nachhinein wieder zurückgezogen wurde, hatte zur
Folge, dass die Polizei einer dunkelhäutigen Mehrheitsregierung es in
verabscheuenswürdiger Weise anwendete und Menschen willkürlich
festgenommen wurden, nur, weil sie noch etwas dunkelhäutiger waren und
deshalb ImmigrantInnen sein könnten. Damit nicht genug, reagierten weiße
Großgrundbesitzer (im Original: “Afrikaner farmers”; Anm.- d. Übers.),
die ihre Farmen nahe der Grenze zu Simbabwe haben, auf die zunehmende
Anzahl von Flüchtlingen aus dem Nachbarland damit, den makabren Sport
der Migranten-Jagd auszuüben. ImmigrantInnen, die Grenzkontrollen
umgehen wollten und den Grenzzaun überquerten, wurden wie wilde Tiere
gejagt.
Die kaltschnäuzige Abgestumpftheit gegenüber der Notlage der Massen
Simbabwes, die sich in Mbekis Außenpolitik widerspiegelt, hat ihm
weitläufig Hohn und Spott eingebracht und gleichzeitig die Vorurteile
und die Brutalität der Anführer dieser fremdenfeindlichen Reaktion
bestärkt.
Die politische Mission der ANC-Elite - und dies gilt sowohl für die
Mbeki- als auch die Zuma-Fraktion - ist begrenzt worden auf die
jämmerliche und zwanghafte Hauptbeschäftigung, der Selbstbereicherung.
Die Entschlossenheit, mittels eines sogenannten Abkommens mit den
Großunternehmen zu “schwarzem wirtschaftlichen Machtgewinn” (wörtlich:
“black economic empowerment deal-making”; Anm. d. Übers.) um jeden Preis
ihr Ziel der Selbstbereicherung zu erfüllen, durchdringt nahezu das
komplette Spektrum öffentlicher Daseinvorsorge und jeden Teil des
politischen und wirtschaftlichen Lebens. Das hat auch die letzten Reste
an politischer und moralischer Autorität der ANC-Führung weggespült.
Nichts ist mehr heilig: Von den aufgrund einer AIDS-Politik der
Regierung, die mit 1000 Opfern täglich Ausmaße eines Völkermords
annimmt, wie Pilze aus dem Boden schießenden Beerdigungsinstituten bis
zum privat betriebenen Aufnahmelager “Lindelani” für “illegale”
ImmigrantInnen, von denen Zehntausende jedes Jahr abgeschoben werden,
nachdem sie sich zuvor in einer für ihre unmenschlichen Bedingungen und
die Polizeibrutalität berüchtigten Anlage aufhalten mussten. Einen
beträchtlichen Profit stellt “Lindelani” für die Firmen des “schwarzen
wirtschaftlichen Machtgewinns” sicher, die das Lager leiten. Sie
schließen auch Einzelpersonen aus am Kampf gegen die Apartheid
maßgeblich beteiligten Familien ein, die jahrelang als angesehene Gäste
in den Ländern, die während des Anti-Apartheid-Kampfes als
“Frontstaaten” bezeichnet wurden, lebten. Diese Nutznießer des
“schwarzen Machtgewinns” profitieren daraufhin von den armen BürgerInnen
der benachbarten Staaten und jetzt werden die ImmigrantInnen übel
behandelt und abgeschoben. Die ANC-Führung hat das Gedenken entehrt an
die Zehntausenden, die für das Ende der Apartheid sowohl in Südafrika
als auch in den Nachbarstaaten (viele wurden Opfer der
grenzüberschreitenden Angriffe des Apartheidregimes) gekämpft, sich
aufgeopfert und dafür mit ihrem Leben bezahlt haben.
Während die ANC-Führung die jüngsten menschenfeindlichen Exzesse
verurteilt und von Panik befallene Aufrufe rausbringt, die Regierung für
das Missfallen über die mangelnde Daseinsvorsorge statt gleich
betroffene AfrikanerInnen verantwortlich zu machen, leugnet sie
gleichzeitig, dass die gewalttätigen Übergriffe irgend etwas mit Armut
und Arbeitslosigkeit zu tun hätten. Sie bestehen darauf, dass es sich um
bloße Kriminalität handelt oder das Werk “rechter Populisten”. Sie holen
damit auch die moderne Legende einer “dritten Macht” wieder hervor, die
hinter der Gewalt stehe. Wie Bewohner einer fernen Galaxie
veröffentlichen ANC-Strukturen Pamphlete, in denen die Errungenschaften
der Regierung im Wohnungsbau und die der Bereitstellung von Strom,
Wasser und sanitären Anlagen für die Menschen im Elend skizziert werden!
Folgen neoliberaler ANC-Politik
Die neoliberale, kapitalistische Wirtschaftspolitik des ANC hat zu 40
Prozent Arbeitslosigkeit, einem tiefen Graben zwischen arm und reich,
wachsender Schuldenlast in der Arbeiterklasse und vor allem einer
Verbitterung geführt, die zunimmt, weil eine winzige dunkelhäutige Elite
- die sogenannten “schwarzen Diamanten” - in Freiheit schwelgt und
reicher wird als in ihren kühnsten Träumen je ausgemalt; während die
Mehrheit der Bevölkerung in Armut dahinsiecht. Sie protzen mit ihrem
Reichtum und verhalten sich den Massen gegenüber mit anmaßender Distanz.
Diese hat es nach Ansicht der Reichen einfach noch nicht verstanden,
dass der Strom, auf dem die Luxusliner der Eliten segeln, die Boote
aller nach oben bringen wird. Die armen Massen müssten nur Geduld haben!
Von der ANC-Regierung mag erwartet worden sein, dass sie auf die Flut
der Attacken auf Bahnhöfe durch Pendler aus der Arbeiterklasse, die
durch die häufigen Ausfälle, Verspätungen und Stromsperren frustriert
sind, durch die Sicherstellung eines anständigen öffentlichen
Nahverkehrs für die Townships (wohin dunkelhäutige Menschen vom
Apartheidregime abgeschoben wurden) in die Industriezentren und Städte
reagiert hätte. Stattdessen baut die Regierung einen speziellen
Bahnservice für die Elite auf: den “Business Express” von Soweto nach
Johannesburg und Pretoria. Diesen Elite-Zug, in dem Wirtschaftszeitungen
kostenlos ausliegen, können sich die Pendler aus der Arbeiterklasse
nicht leisten. Die prestigeträchtige und phänomenal teure U-Bahn
“Gautrain” verbindet nicht die Townships mit den Innenstädten sondern
die Vororte mit dem Flughafen!
Auf die Stromausfälle und die ausufernden Lebensmittelpreise hat die
Regierung mit einer Gefühlskälte á la Marie-Antoinette reagiert. Der
Minister für Energie und Rohstoffe hat den Menschen empfohlen, einfach
früher ins Bett zu gehen, weil Schlaf klüger machen würde! Der
Finanzminister schlug vor, dass die Leute die Auswirkungen steigender
Lebensmittelpreise durch Gemüseanbau im Vorgarten abmildern könnten! Im
Teich der massenhaften Unzufriedenheit aufgrund solcherart
Regierungspolitik, fischen die reaktionären Elemente, die die
menschenfeindlichen Übergriffe anführen.
Aber weil in dieser Krisensituation von der ANC-Führung nicht erwartet
werden darf, dass sie eine führende Rolle einnimmt, ist das offenkundige
Unvermögen, diese fehlende Führungsrolle durch die organisierte
Arbeiterklasse einzunehmen, ein eklatanter Punkt in dieser Situation -
besonders im Hinblick auf den COSATU. Der Gewerkschaftsbund rief zwar zu
einer Demonstration gegen die gegen ImmigrantInnen gerichteten Angriffe
in Johannesburg auf. Er mobilisierte aber nur halbherzig für diese
Veranstaltung, und sie zog nur 300 Menschen an! COSATU verteilte
vorhersagbare Anklagen gegen Menschenfeindlichkeit und rief zu
“afrikanischer Einheit” auf. Als Arbeiterorganisation feuerte COSATU
auch die üblichen Worttiraden gegen die Unternehmer ab, indem er die
Armen dazu aufrief, ihre Wut gegen die Kapitalisten zu richten. Die
Regierung wird nur schwach kritisiert, deren Rolle und Verantwortung für
diese Krise allerdings zentral ist. Die COSATU-Führung mobilisierte
nicht auf der Basis einer konkreten Darlegung der direkten und
offensichtlichen Verbindungen zwischen der Politik der Regierung und den
Aktionen der Großkonzerne. Die südafrikanischen Kapitalisten haben es
selbstverständlich nicht gestattet, Möglichkeiten auszulassen, die viel
billigeren und - in vielen Fällen - besser ausgebildeten
ArbeitsmigrantInnen auszubeuten und damit hart erkämpfte
Errungenschaften der Arbeiterklasse zu unterlaufen. In diesem
Zusammenhang werden die Aufrufe vom COSATU als abstrakt und
bedeutungslos verstanden.
Cosatu zögert mit Kritik am ANC
Dieser Widerspruch liegt natürlich in der Entschlossenheit der
COSATU-Führung begründet, weiterhin dem politischen Bündnis, der
“Tripartite Alliance”, mit der südafrikanischen Kommunistischen Partei
und dem ANC anzugehören. Wenn sie sich im Glanz ihrer führenden Rolle
bei der Niederlage Mbekis im Kampf um den ANC-Vorsitz auf der ANC
Konferenz in Limpopo aalen, wo ihr Wunschkandidat Zuma in den Sattel
gehievt wurde, so sind die COSATU-Führer bei weitem zurückhaltender,
wenn der ANC als solcher kritisiert gehört. Ergebnis dieser Politik ist,
dass der COSATU unter seiner momentanen Führung seine
Klassen-Unabhängigkeit aufgibt. Die Gewerkschaftsführer arbeiten aktiv
daran mit, die Illusionen der ANC-Vorschläge zur Beilegung der Krise zu
schüren, indem sie z.B. mit kommunalen Einrichtungen und der Polizei
zusammen arbeiten, damit die Rädelsführer strafrechtlich verfolgt werden
können.
Natürlich wäre es absurd, sich gegen die Ergreifung, Anklage und
Inhaftierung aller jener zu stellen, die sich des Raubes, der
Körperverletzung, der Vergewaltigung und des Mordes schuldig gemacht
haben. Wir sollten aber dennoch nicht Ursache mit Anlass verwechseln.
Wir haben es hier mit einem politischen und sozio-ökonomischen Problem
zu tun, das Kriminelle - ungeachtet des Grades an Organisiertheit, die
eine Untersuchung aufdecken könnte - für ihre Zwecke ausnutzen. Es
besteht die Möglichkeit, die alte Tradition aus Kampf, Solidarität und
Sozialismus wiederzubeleben. Trotz des ideologischen Zusammenbruchs, an
dem die COSATU-Führung zu leiden scheint, bleibt die Arbeiterklasse die
potentiell stärkste Kraft in der Gesellschaft. Eine kämpferische Führung
der Arbeiterklasse müsste maßgeblichen Widerstand gegen die
ANC-Regierungspolitk und fremdenfeindliche Übergriffe organisieren -
einschließlich Gegendemonstrationen, organisierter Verteidigung von
ImmigrantInnen und Streikaktionen.
Die Bewegung muss aufbauen auf den großartigen Demonstrationen der
internationalen Arbeiterklasse, bei der die
Transportarbeiter-Gewerkschaft ihre Solidarität zeigte und sich
weigerte, Schiffladungen mit Waffen aus China für Simbawe zu entladen.
Die Gewerkschaft handelte damit gegen die ANC-Regierung, die den
Transport der Waffenlieferung durch Südafrika schon mit dem Hinweis auf
“internationale Auflagen” genehmigt hatte. Der Sprecher der Kommune
Khutsong ist Malawier. Dieses Township behauptete sich für über zwei
Jahre als No-Go-Area für den ANC - sogar unter Zumas Vorsitz. Abgesehen
von der politischen Unterstützung, die Südafrikaner im Kampf gegen die
Apartheid genossen, wurde der Bergbau (die Basis der Wirtschaft) mit dem
Schweiß und Blut der Arbeiter aus dem ganzen südlichen Afrika aufgebaut,
die zusammen gegen Ausbeutung und Unterdrückung gekämpft hatten. Die
nötigen politischen Bildungs-Kampagnen für die Massen, die die Aufgabe
haben müssen, die Traditionen des Kampfes wiederzubeleben, müssen diese
historischen Klassenfragen ganz oben auf die Tagesordnung setzen und sie
mit den heutigen Kämfpen verbinden. Der Streik im öffentlichen Dienst
letztes Jahr war der größte und längste in der Geschichte Südafrikas.
Dieses Kalenderjahr begann mit dem ersten jemals ausgerufenen
landesweiten Streik der Bergarbeitergewerkschaft für mehr Sicherheit.
Fremdenfeindliche Übergriffe sind eine Warnung für die Arbeiterklasse
Die letzte Woche der reaktionären, fremdenfeindlichen Gewalt ist eine
Warnung, dass es, solange das Vakuum auf der Linken nicht durch eine
Arbeiterpartei der Massen mit sozialistischem Programm gefüllt wird, in
Zukunft wieder Versuche anderer Kräfte geben wird, die Unzufriedenheit -
besonders unter den Ärmsten - auszunutzen. Mit einer sich zuspitzenden
Krise der Weltwirtschaft, werden die objektiven Bedingungen den rechten
Populisten, Demagogen und Kriminellen Möglichkeiten bieten, um eine
soziale Basis aufzubauen. Ganz so, wie es die Anti-Einwanderungspartei
bei den letzten Wahlen bereits versucht hat.
Bei den jetzigen fremdenfeindlichen Übergriffen wurde SiPedi-sprechenden
Südafrikanern “Zurück nach Limpopo” und Angehörigen einer
südafrikanisch-mosambikanischen Minderheit “Tötet die Shangaaner”
entgegengerufen. Daher könnten zukünftige reaktionäre Ausbrüche eine
andere Form annehmen. Wenn sich die Spaltung innerhalb des ANC
verstärkt, könnten die jetzigen Untertöne der stark stammes-bezogenen
“Xhosa nostra “ (eine Clique innerhalb der ökonomischen und politischen
Elite, die wie Nelson Mandela und Thabo Mbeki der Volksgruppe der Xhosa
angehört; Anm. d. Übers.) und des Zulu-Chauvinismus, die heute aus
Teilen der Lager kommen, die Mbeki bzw. Zuma unterstützen, zur Basis für
organisierte Auseinandersetzungen werden. Es wurde bereits berichtet,
dass die Angreifer der letzten Woche den Anti-Apartheid-Song skandiert
haben, den Zuma auch im Wahlkampf um den ANC-Vorsitz benutzte: “Awuleth’
mshiniwam” (‘Bringt mir mein Maschinengewehr’).
Für kommenden Samstag ruft die soziale Bewegung Indaba (ein Gemisch aus
kleinbürgerlich geführten Ein-Punkt-Gruppen und Bürgerinitiativen wie
etwa dem Antiprivatisierungsforum Soweto und dem Komitee gegen die
Stromkrise in Soweto [Soweto Electricity Crisis Committee]) zu einer
weiteren Demo auf. Bisher ist COSATU nicht dabei, obwohl der Versuch
unternommen wird, ihn mit einzubeziehen.
Die reaktionäre Welle wird diesmal vorrübergehen. Aber zukünftige
Ausbrüche fremdenfeindlicher und menschenverachtender Übergriffe sind
auf der Basis allgemeiner Not und Knappheit so zwangsläufig wie
Spannungen und Konflikte zwischen einzelnen Volksgruppen. Der beste Weg,
um für die Zukunft gewappnet zu sein, wäre, wenn die Zusammenarbeit für
den Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit als Plattform zum Aufbau einer
Arbeiterpartei mit sozialistischem Programm für die Massen genutzt
werden würde.
|