Köln: Bäder für alle!
[Druckversion] Thema: Deutschland: Politik allgemein, Solidarität - Sozialistische Zeitung, Nr. 60, veröffentlicht: 10.08.2007
Teilerfolg gegen Schwimmbad-Schließung in Köln
Auf Grund energischer Gegenwehr ist der Beschluss zur Schließung von
drei Kölner Bädern per Ratsbeschluss auf das Frühjahr 2008 verschoben
worden. Im Stadtteil Nippes hatte die Kölner SAV und das kommunale linke
Bündnis Gemeinsam gegen Sozialraub (GgS) um Stadtrat Claus Ludwig einen
entscheidenden Anteil an den Protesten. Zusammen mit den sehr
engagierten Senioren-GesundheitsschwimmerInnen des dortigen Bades hatten
sie die Initiative Bäder für Alle gegründet und den Widerstand mit einer
Demo, Info-Ständen und Plakat-Aktionen auf die Straße getragen. Auch im
südlichen Stadtteil Rodenkirchen sind Hunderte Menschen aktiv geworden.
von Conny Dahmen, Köln
Die Aktionen in den Stadtteilen wurden ergänzt durch das Auftreten von
Claus Ludwig und den anderen Mitgliedern der Fraktion DIE LINKE.KÖLN im
Stadtrat. SPD und Grüne, die ursprünglich die Schließung durchsetzen
wollten, hatten keine Mehrheit im Rat. Auch die Taktik von CDU und FDP,
nur die Schließung des Bades im wohlhabenderen Viertel Rodenkirchen zu
verhindern und über die beiden anderen Bäder in Nippes und Weiden zu
schweigen, lief ins Leere. Sie schwenkten um und wenden sich verbal
gegen alle Schließungen, SPD und Grüne wollen nicht als
Schwimmbad-Schließer gesehen werden.
Allerdings sind die Pläne nicht endgültig vom Tisch. Die drei Bäder
sollen in „Bürgerbäder“ umgewandelt werden. Damit ist aber nicht
gemeint, dass die Bürger mehr Mitspracherecht bekommen, sondern dass die
städtische Kölnbäder GmbH die Trägerschaft an zu bildende Vereine
übergibt, die den Betrieb und – bezuschusst von der Bäder GmbH – die
Finanzierung organisieren sollen.
Die Initiative Bäder für Alle lehnt dies als einen Schritt Richtung
Privatisierung ab. Die Zukunft der drei Bäder wird dadurch nicht
gesichert, stattdessen wird es zu Absenkungen von Hygiene- und
Sicherheitsstandards, noch kürzeren Öffnungszeiten und zum Abbau
qualifizierter Arbeitsplätze kommen. Stattdessen fordert sie von den
Verantwortlichen, im Herbst eine Versammlung in Nippes durchzuführen,
auf der die Bevölkerung die Vorschläge der Bäder GmbH diskutieren und
eigene Vorschläge für den Erhalt, die Renovierung und Nutzung des Bades
vorbringen kann.
Nach einer kleinen Sommerpause geht daher ab August die
Öffentlichkeitsarbeit per Info-Ständen, Unterschriften und Flyern weiter.
Die Proteste haben ausgereicht, den Politikern den Schließungsbeschluss
zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich zu machen. Aber sie waren nicht genug,
um die Bäder zu retten. SPD und Grüne werden versuchen, im Frühjahr 2008
den NutzerInnen die Verantwortung für die Schließung zuzuschieben, wenn
diese bis dahin keine Trägervereine gegründet haben. Diese Strategie
will die Initiative Bäder für Alle durchkreuzen. Claus Ludwig rief in
seiner Ratsrede zu weiterem Widerstand auf: „Sicher ist nur eines –
damit wende ich mich auch an die Zuschauerinnen und Zuschauer – die
Bäder werden nicht gerettet werden, wenn hier im Rat irgendwelche
Taktiken und Anträge hin und her gehen. Die Bäder werden nur gerettet
werden, wenn Sie weiter auf die Straße gehen und weiter Druck machen .“
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