Das geht nur ganz anders – Demonstrationen und Hochschulstreiks für
einen heißen Herbst
[Druckversion] Thema: Deutschland: Politik allgemein, veröffentlicht: 19.10.2006
In den letzten Wochen hat sich ein breites Bündnis Sozialer Bewegungen
zusammengeschlossen, dass gemeinsam für den bundesweiten Aktionstag der
Gewerkschaften am 21.10. in Berlin, Frankfurt, Dortmund, Stuttgart und
München mobilisiert.
von Sebastian Foerster, Fulda
Die Ablehnung gegen den Schmusekurs der DGB-Führung mit der großen
Koalition durch den Demonstrationsaufruf „Das geht besser“ und die
gestellten halbherzigen Forderungen für den Aktionstag ist stark, auch
in den gewerkschaftlichen Basisstrukturen. Weitere Steuergeschenke an
Konzerne, neue Angriffe auf Erwerbslose und Erwerbstätige, eine
Mehrwertsteuererhöhung und die Rente mit 67 sind nicht „besser“ zu
machen – sondern müssen mit allen Mitteln gestoppt werden. Wir brauchen
ganz andere, französische Verhältnisse - das ist die Überzeugung von
AktivistInnen innerhalb und außerhalb der Gewerkschaften.
So rufen soziale Bewegungen und das Bündnis-3.-Juni, welche die
Demonstration „Schluss mit den Reformen gegen uns!“ am 3. Juni in Berlin
organisiert hat und in dem auch die SAV aktiv ist, mit VertreterInnen
von Erwerbsloseninitiativen, Montagsdemonstrationen,
Gewerkschaftslinken, attac, WASG und Linkspartei, Friedensbewegungen,
Antifa- und Migrantengruppen sowie SchülerInnen- und
Studierendenorganisationen gemeinsam zu „Das geht nur ganz anders!“ auf.
Die drei tragenden Säulen dieses Aufrufs sind die Forderungen nach einem
Stundenlohn von 10 EUR, einer Arbeitszeitverkürzung durch die Einführung
der 30-Stundenwoche und einer Erhöhung des ALG-II-Regelsatzes zuzüglich
Kosten der Unterkunft. Gefordert wird weiterhin “die Aushöhlung von
demokratischen Arbeitnehmer/Innenrechte beenden, die gewollten
Verarmungsprogramme von Alten, Behinderten, Erwerbslosen und Kindern
und Jugendlichen stoppen, die Teilhabe an Arbeit und freier Bildung für
alle Menschen, die täglichen Repressionen in der Asyl- und Hartz
IV-Politik sofort beenden, für fairen Handel weltweit, Rücknahme der
neoliberalen Agendapolitik, Erhaltung des Sozialstaats, Recht auf
Wohnung für Alle, sowie sofortiger Stopp aller Kriegsvorbereitungen.”
Eigene Demonstrationen dieses Zusammenschlusses in Berlin und Frankfurt
und eigene Blöcke in den Gewerkschaftsdemonstrationen in Dortmund und
Stuttgart für den 21.10. sind bereits organisiert.
Klar muss sein, dass es nicht ausreicht nur an diesem einzigen Tag
politischen Druck aufzubauen und “Dampf abzulassen”. Nötig ist eine
ganze Protestwelle breiten gesellschaftlichen Widerstands, um die
vorbereiteten Angriffe gegen die Interessen von Erwerbstätigen und
Erwerbslosen, RentnerInnen und Jugendlichen zurückzuschlagen.
So müssen die Kämpfe der Studierenden und SchülerInnen gegen die
Einführung von Bildungsabbau und Studiengebühren mit denen der
Erwerbslosen gegen die Verschärfungen der Hartz IV-Gesetze verbunden
werden, Aktionstage und Streiks in Betrieben organisiert und
überregional vernetzt werden.
Ein Ansatz dazu sind beispielsweise die geplanten Vollversammlungen von
Hochschulen und Universitäten in Hessen am 25.10., in denen über weitere
Streiks abgestimmt wird. Die bestehenden Kontakte zu Betriebsräten,
Erwerslosenorganisation und sozialen Bewegungen und
SchülerInnenvertretungen müssen genutzt werden um die Proteste des
21.10. weiterzuführen und auszubauen.
Es ist an der Zeit, die unsozialen “Reformen” des Kapitals und seiner
Interessenvertreter zu kippen und die Forderung auf Gesundheit, Bildung
und Arbeit für alle jetzt durchzusetzen.
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