“Echte Frauen” in Werbung und Körperkult

"Gesündere", "positivere" und "realere" Darstellungen von Frauen in der Modewelt und Schönheitsindustrie?


 

von Ein Kommentar der Socialist Party (CWI Sektion in Australien). Dieser Artikel erschien zuerst auf www.socialistworld.net

Letzten Monat kündigte der australische Bundesminister für Jugend, Peter Garret, eine Initiative der Regierung gegen “negative Körperbilder” von jungen Frauen an.

Über die letzten Jahre ist das Bewusstsein und die Besorgnis über den Einfluss der Mode-und Schönheitsindustrie auf die Schönheitserwartungen von Frauen gestiegen. Die überwältigende Reaktion darauf ist die Forderung nach "gesünderen", "positiveren" und "realeren" Abbildungen von Frauen in Werbung der Modewelt und Schönheitsindustrie.

Diese neue Initiative folgt dem Trend von vermarktungsfähigen freiwilligen Industrie-Ehrencodes, die für "gesunde Körperdarstellungen" auf ihren Produkten und Werbeanzeigen ausgezeichnet werden. Diejenigen, die freiwillig an solchen Wettbewerben teilnehmen, erhalten ein Zertifikat. Die Wertungstabelle wird vom Redakteur der “Australian Women"s Weekly”, einem führenden Schönheits-und Lifestyle Magazin, erstellt.

Neben der Absurdität, dass diese Wertung in den Händen von denjenigen ist, die aus der erzeugten Verunsicherung der Frau über ihr Körperbild Profit schlagen, ist der eigentliche Fokus der Initiative falsch gesetzt.

Die immer lauter werdenden Rufe nach Frauen, die “ihre Kurven lieben” vertiefen in Zeiten von abgemagerten Models in knapper Bekleidung in der medialen Präsentation nur die erdrückende Konzentration auf die Form des Körpers der Frau in Relation zu anderen Angelegenheiten.

Werden wir denn gleichzeitig dazu aufgerufen, den Kampf gegen Sexismus, häusliche Gewalt, Diskriminierung am Arbeitsplatz und sexuelle Belästigung zu verstärken? Viele Frauen, die all diese Dinge erfahren haben, werden mit einem beherzten “Nein!” darauf antworten.

Die Obsession von Körperdarstellungen, egal ob es nun "unrealistische" oder "gesunde" Körper sind, dienen nur der Einschränkung des Bildes der Frau auf ihren Körper und ihrer Erscheinungsform – oftmals begleitet mit Ideen des “sexy seins”.

Die Phrase “echte Frau” im Verhältnis zu ihrer Körperform oder -größe impliziert, dass wer auch immer nicht solche Maße hat, keine authentische Frau ist. Sind denn Brüste, Hüften oder andere physikalische Attribute tatsächlich DIE definierenden Merkmale einer Frau? Was ist mit Patientinnen, die eine Brustamputation hinter sich haben? Oder mit intersex und transgender Frauen? Sind das nicht "echte" Frauen?

Diese Idee, dass man eine "echte Frau" über ihre Erscheinungsform und Körper definieren kann, muss bekämpft werden. Statt das "magere" Ideal mit einem "kurvigen" Ideal auszutauschen, sollten wir uns darauf konzentrieren, den Fokus vom Körper der Frau auf die soziale Rolle der Frau zu richten. Abbildungen von Frauen werden niemals "gesund" sein, ausser sie beziehen sich explizit nicht auf Erscheinung und Physiologie.

Eine solche Wende wird von der Industrie niemals angestoßen oder freiwillig übernommen werden, die Profit aus dem Körperkult schlägt. Oftmals gehört es zu ihrem Interesse, ein breiteres Angebot an beispielsweise Konfektionsgrößen zu stellen – um den Marktanteil zu erhöhen.

Indem sie vorgeben, eine Wandlung hin zu differenzierteren Vorstellungen von Körpern zu vollziehen, landen sie noch besser bei den neuen Schichten von Kunden. Gleichzeitig bieten sie all die Produkte an KundInnen an, denen eingeredet wurde, dass sie etwas an ihrem Körper verbessern müssen. In anderen Worten – dieser Ansatz verbessert sogar die Ausbeutung von Frauenkörpern und erhöht die Profite.

Eine aktuelle Studie in Australien hat ergeben, dass 96 Prozent aller Frauen “etwas an ihrem Körper verändern würden”. Auf der anderen Seite, als nach den Eigenschaften einer schönen Person gefragt wurde, wurden in den ersten sechs Antoworten "Selbstbewusstsein, glücklich sein, gute Persönlichkeit, Freundlichkeit, Gesundheit und Intelligenz" angegeben.

Anstatt eine Initiative zu starten, die all diese Eigenschaften bei Frauen fördern würde – beispielsweise durch besseren Zugang zu Bildung, Ausbau von Kinderbetreuung und anderen sozialen und kulturellen Angeboten etc. – bevorzugen Regierung und Schönheitsindustrie weiterhin eine Fokusierung auf den Körper der Frau.

Die Idee, dass Feminismus hauptsächlich darauf abzielt, dass "übliche" Frauen sich attraktiv und sexy fühlen, dient nur der Ausgrenzung des Anspruchs auf wirkliche Geschlechtergleichberechtigung. Frauen kämpfen schon seit über einem Jahrhundert für Rechte, Anerkennung und Möglichkeiten, über ihre physikalischen Eigenschaften hinaus wachsen zu können. Deshalb sollten wir uns nicht von den Herrschenden und der Schönheitsindustrie diktieren lassen, wie eine Frau sein sollte und wofür sie kämpfen sollte.